MMB Summer Challenge, Brunnthal
Die MMB Summer Challenge war für mich ein Turnier mit zwei ziemlich unterschiedlichen Gesichtern.
Leider habe ich den Zettel von meiner ersten Serie auf abgespielten Bahnen nicht mehr gefunden. Sie lief aber ähnlich wie meine zweite Serie. In den ersten drei Serien hatte ich oft das Gefühl, mit angezogener Handbremse zu spielen. Ich wollte bloß nichts falsch machen, habe dadurch aber auch wenig ausprobiert und meinen Schwung nicht wirklich frei laufen lassen.
Ganz anders war es in der letzten Serie. Dort konnte ich die Energie des Schwunges endlich besser nutzen. Der Arm war näher am Körper, die Finger kamen besser an den Ball und ich habe den Arm konsequent durchgezogen. Dadurch entstand ein viel freieres Spiel. Ich habe weniger nachgedacht, mehr reagiert und mich nicht mehr so stark selbst kontrolliert.
Auch beim Räumen gab es Positives. Den 10er Pin hatte ich bis auf zwei Versuche immer. Gleichzeitig habe ich mich ausgerechnet mit einigen anderen einfachen Räumbildern unnötig schwergetan. Das war echt ärgerlich, weil es keine besonders schwierigen Aufgaben waren. o.O
Ergebnisse

Serie 2 auf frischen Bahnen
- 151 – 2 Räumfehler, 2 Splits
- 187 – 2 Räumfehler, 1 Split
- 163 – 1 Räumfehler, 2 Splits
- 146 – 3 Splits
Acht Splits in vier Spielen zeigen, dass zahlreiche Anwurfbälle nicht mit der richtigen Energie oder nicht sauber genug in die Gasse kamen.
Das Spiel mit 187 zeigte zwar, dass grundsätzlich eine spielbare Lösung vorhanden war. Ich konnte sie aber noch nicht konstant abrufen.
Serie 3 auf frischen Bahnen
- 158 – 3 Räumfehler
- 187 – Clean Game
- 180 – 1 Räumfehler
- 162 – 2 Splits
Serie 3 war mein unflexibelstes Spiel des gesamten Turniers.
Ich bekam nicht genügend Strikes und habe das viel zu lange einfach akzeptiert. Statt aktiv etwas zu verändern, blieb ich zu starr bei meiner Linie und meiner bisherigen Lösung. Ich habe die Ballreaktion zwar gesehen, daraus aber nicht konsequent genug eine Anpassung abgeleitet.
Positiv war, dass ich nur noch zwei Splits hatte und mit 187 ein Clean Game spielte. Gleichzeitig zeigt dieses Spiel aber auch: Ohne ausreichende Strikeproduktion bleibt selbst ein fehlerfreies Spiel im Ergebnis begrenzt.
Letzte Serie auf frischen Bahnen
- 223 – 1 Räumfehler
- 177 – 2 Räumfehler
- 192 – 1 Räumfehler, 1 Split
- 189 – 1 Räumfehler, 1 Split
Es fühlte sich wie ein befreites Aufspielen an. Ich habe beim Wurf nicht mehr über jede Kleinigkeit nachgedacht, sondern eine Entscheidung getroffen und anschließend meinem Körper vertraut.
Auch taktisch war ich deutlich flexibler.
Auf Short spielte ich je nach Bedarf:
- über die Mitte
- über den zweiten Pfeil
- außen über Leiste 5
Wenn eine Linie nicht mehr funktionierte, blieb ich nicht stur darauf stehen. Ich wechselte einfach auf eine andere bereits bekannte Lösung.
Auf Long spielte ich überwiegend relativ mittig über den dritten Pfeil. Je nach Ballreaktion passte ich die Linie etwas nach innen oder außen an.
Ballanalyse
Meine wichtigsten Bälle im Turnier waren der Katana Strike auf Short und der Evoke Hysteria auf Long. In der letzten Serie konnte ich beide Bälle endlich richtig nutzen.
Der Katana Strike funktionierte stellenweise allerdings auch auf Long gut.
Katana Strike auf Short
Der Katana Strike war auf Short meine beste und kontrollierbarste Lösung.
Durch mein flexibles Linienspiel konnte ich ihn sowohl weiter außen als auch über mittlere Linien einsetzen. In der letzten Serie passten Ball, Linie und Abgabe endlich zusammen.
Der Ball bekam durch den freien Schwung mehr Energie und konnte seine Reaktion deutlich besser zeigen.
Katana Strike auf Long
Er war besonders dann eine gute Möglichkeit, wenn ich etwas mehr Länge oder eine klarere Reaktion im hinteren Bahnbereich benötigte. Dadurch war er nicht nur mein Hauptball auf Short, sondern auch eine brauchbare Alternative auf Long.
Evoke Hysteria auf Long
Der Evoke Hysteria war auf Long meine wichtigste Hauptlösung.
Ich spielte ihn überwiegend relativ mittig über den dritten Pfeil und passte meine Linie je nach Reaktion leicht nach innen oder außen an.
In der letzten Serie konnte der Evoke durch meine freiere Abgabe deutlich besser arbeiten. Er bekam mehr Energie und zeigte eine klarere Reaktion am Breakpoint und durch die Pins.
Crown Victory auf Short
Der Crown Victory funktionierte zunächst für ungefähr zwei Würfe.
Danach konnte ich seine Reaktion nicht mehr zuverlässig kontrollieren und er zog mir zu häufig stark weg. Damit war er für mich keine stabile Lösung über mehrere Frames.
Crown 78U auf Short
Der Crown 78U funktionierte bei einem Wurf gut.
Danach prallte er jedoch eher ab und kam nicht mehr sauber genug durch die Pins. Auch hier entstand keine Reaktion, auf die ich dauerhaft aufbauen konnte.
Tour V1
Auf Short zog der Tour V1 relativ schnell zu stark weg.
Auf Long prallte er dagegen eher ab und fand keine ausreichend gute Fortsetzung durch die Pins. Damit funktionierte er auf keinem der beiden Ölbilder wirklich überzeugend.
Raptor Reign und Mesmerize auf Long
Raptor Reign und Mesmerize bewegten sich auf Long für meine Spielweise nicht ausreichend.
Beide zeigten zu wenig Reaktion und konnten keine überzeugende Lösung erzeugen. Vermutlich fehlte mir in Kombination mit meiner gebremsten Abgabe zusätzlich die nötige Energie, damit die Bälle am Ende der Bahn richtig arbeiten konnten.
Was bei den Ballwechseln auffiel
In den ersten Serien habe ich viele verschiedene Bälle ausprobiert. Teilweise versuchte ich damit, eine technische oder taktische Unsicherheit über das Material zu lösen. Wenn die Abgabe jedoch gebremst ist und der Schwung nicht frei läuft, liefert auch ein Ballwechsel nicht automatisch eine bessere Reaktion.
Ich habe deshalb vermutlich an manchen Stellen zu schnell den Ball gewechselt, obwohl zuerst eine Veränderung der Linie, des Zielpunktes oder eine konsequentere Abgabe sinnvoller gewesen wäre.
In der letzten Serie war die Zuordnung deutlich klarer:
- Katana Strike als Hauptlösung auf Short
- Evoke Hysteria als Hauptlösung auf Long
- Katana Strike als mögliche Alternative auf Long
Dadurch konnte ich mich stärker auf mein Spiel und die notwendigen Anpassungen konzentrieren, anstatt ständig nach einem anderen Ball zu suchen.
Technische Erkenntnisse
Die letzte Serie hat sehr deutlich gezeigt, was mein Spiel braucht:
- die Energie des Schwunges nutzen
- den Arm nah am Körper halten
- die Finger an den Ball bringen
- den Arm vollständig durchziehen
- den Ball nicht vorsichtig führen
- weniger aktive Kontrolle
- mehr Vertrauen in die eigene Bewegung
In den schwächeren Serien wollte ich Fehler vermeiden und habe dadurch meinen Wurf gebremst.
In der letzten Serie wollte ich den Ball gut werfen und auf die Bahn reagieren. Das war der entscheidende Unterschied.
Taktische Erkenntnisse
Mein größter taktischer Fehler war nicht eine einzelne falsche Linie oder ein falscher Ball.
Das eigentliche Problem war, dass ich in den ersten Serien zu wenig auf die Ballreaktion reagiert habe. Besonders in Serie 3 blieb ich viel zu lange bei einer Lösung, obwohl sie offensichtlich nicht genügend Strikes produzierte.
Für ähnliche Turniere sollte mein Ablauf deshalb klarer sein:
- Die Ballreaktion bewusst beobachten.
- Zuerst eine kleine Linienanpassung vornehmen.
- Abgabe, Tempo und Durchzug überprüfen.
- Eine vorhandene Alternativlinie nutzen.
- Erst danach den Ball wechseln.
Flexibilität bedeutet dabei nicht, nach jedem schlechten Wurf alles zu verändern. Es bedeutet, Veränderungen zu erkennen und rechtzeitig eine nachvollziehbare Anpassung vorzunehmen. Genau das ist mir in der letzten Serie gelungen.
Räumanalyse
Der 10er Pin war bei diesem Turnier nicht das größte Problem. Bis auf zwei Versuche konnte ich ihn zuverlässig räumen.
Dafür ließ ich bei anderen, eigentlich einfachen Räumbildern unnötig Pins liegen. Das deutet weniger auf ein grundsätzliches Problem mit meinem Räumsystem hin, sondern eher auf fehlende Konsequenz und Konzentration bei Aufgaben, die vermeintlich einfach aussehen.
Auch ein einfacher Räumer braucht denselben klaren Ablauf:
- Räumbild erkennen
- Linie festlegen
- Standposition kontrollieren
- Zielpunkt wählen
- konsequent durchwerfen
Kein Räumbild sollte nur deshalb nebenbei gespielt werden, weil es einfach aussieht.
Gesamtfazit
Das Turnier war trotz der schwächeren Serien sehr lehrreich.
Die letzte Serie mit 781 Scratch und 861 inklusive Handicap hat mich nochmal versöhnlich gestimmt. Der große Unterschied lag in einem freieren Schwung, mutigeren Anpassungen und einem flexibleren Linienspiel. Der Cut ist deshalb kein unrealistisches Ziel. Ich muss es nur schaffen, diese Spielweise früher ins Turnier zu bringen und nicht erst in der letzten Serie.

